Die zwei Apple-Insider Jeffrey Young und William L. Simon geben das Leben von Steve Jobs über die verschiedenen Stationen seit den 70er Jahren in einem flüssig geschriebenen Buch wieder.
Sie beleuchten dabei sowohl sein Privatleben über all die Jahre, als auch die wirtschaftlichen Höhen und Tiefen. Von der Bekanntschaft mit Steve Wozniak, über die Gründung von Apple, seine Demission dort, die Gründung von NeXT, den Verkauf an Apple, den Einstieg bei Pixar - alles ist zu finden, und teils wirklich interessant geschrieben.
Und auch inhaltlich kommen ein paar "Aha"-Erkenntnisse zum Vorschein. Wer hat schon geahnt, dass Pixar, dieses Milliarden-Computertrickfilm-Unternehmen (kürzlich von Jobs an Disney verkauft), nur deshalb so erfolgreich sein konnte, weil sich George Lucs einmal scheiden ließ? Da denkt man unweigerlich an den berühmten Flügelschlag des Schmetterlings ...
Die wichtigste Erkenntnis kann unterm Strich meiner Meinung nach nur eine, wenn auch vorher nicht erwartete, sein: Steve Jobs ist kein Engel. Er mag mit dem Macintosh der Vision von Bill Gates, unter jeden Schreibtisch einen PC zu bekommen, erst den Nährboden gebracht haben, mit Pixar die Trickfilm-Industrie revolutioniert, und mit iTunes die Musikkonzernmanager bei den Eiern gepackt zu haben, aber als Mensch ist Jobs sicher kein angenehmer Zeitgenosse. Beim Lesen ging mir immer wieder "was für ein Arschloch" durch den Kopf (wenn Mitarbeiter die Treppe nehmen, um ihm nicht im Fahrstuhl zu begegnen und gefeuert zu werden ...).
Ein lesenswertes Buch mit spannenden Einblicken in die Entwicklung der IT-Industrie und das Wirken eines ihrer charismatischsten Protagonisten.
Ach ja, fast hätte ich es vergessen: das Buch widerlegt anschaulich auch sämtliche Mythen rund um die Innovationskraft und Einzigartigkeit von Apple. Auch wenn das deren Jünger nicht gerne lesen werden: Apple ist genauso ein IT-Konzern wie jeder andere auch, und nicht nur das erste grafische System für den Mac war "geliehen", auch iTunes wurde zum Beispiel ursprünglich eingekauft und zusammengefrickelt ... das alles ändert zwar nichts an der einzigartigen Fähigkeit von Apple, Dinge benutzbar zu machen, aber sie sind eben nicht mehr innovativ als es andere Firmen sind.