Heise veröffentlichte heute nachmittag eine interessante News. Was sagt uns das? Für mich ist es zumindest eine Bestätigung dafür, dass Open Source in bestimmten, sagen wir mal gemeinnützigen Bereichen (Betriebssystem, Office-Suit, Browser) entwicklungs- und überlebensfähig ist, aber zumindest in Gebieten, die nicht von Relevanz für die Allgemeinheit sind, schnell an seine Grenzen stößt.

Nämlich spätestens dann, wenn Unternehmen damit Geld verdienen wollen und dieses aufgrund der beschränkten Zielgruppen nicht einfach vom Himmel fällt. Dieser Widerspruch in sich wird ja bis jetzt allgemein akzeptiert. Wenn dann aber der gute Wille der dem OS-Gedanken innewohnt einmal dem harten Alltag und den damit verbundenen Geschäftspraktiken weichen muss, dann wird man in der Szene munter und schreit auf.

Was können die Konsequenzen daraus sein?

  • Softwareprojekte schlafen ein, weil viele freiwillige Mitarbeiter abspringen.
  • Die OpenSource-Szene arrangiert sich mit dem fiesen Marktkapitalismus.
  • Freie Software wird zu kommerzieller Software.

Der dritte Punkt ist aufgrund der gängigen Lizenzen, insbesondere der GPL, wohl ausgeschlossen. Der zweite ist so wahrscheinlich wie das Einfrieren der Hölle. Tja, und was bleibt ...

Kommentare

#1 Chris schrieb am Dienstag, 11. Oktober 2005 10:26:00:
Zu Punkt 3: Klar geht das. Siehe was gerade bei Nessus passiert. Das geht auch bei OpenOffice.org - wenn von allen Mitarbeitern Copyright Assignments existieren, kann das Projekt jederzeit die Lizenz ändern. Ein Projekt das wegen fehlender CAs Teile neuschreiben mußte: SpamAssassin, als es zum Apache Projekt kam.
#2 Thomas schrieb am Dienstag, 11. Oktober 2005 10:42:00:
Okay, klingt erstmal plausibel.

Aber dann habe ich umsonst mal einen Tag lang versucht die GPL zu verstehen. So wie ich das da rausgelesen und aufgefasst habe, wird doch sogar closedsource die GPL-Source verwendet automatisch zu open source, und ich hab' da auch keinen Ausstiegs-Passus gefunden, bzw. kann mich an keinen mehr erinnern.

D.h. im Prinzip ist die Lizenz wertlos, weil sie sich durch CAs aushebeln lässt?
#3 Chris schrieb am Dienstag, 11. Oktober 2005 11:20:00:
Verwende ich GPL Code, dann muß mein Code auch unter der gleichen Lizenz (GPL) vertrieben werden. Auch bleibt Code der einmal unter GPL released wurde, immer GPL. Point in case: wenn ein Projekt zB bei Codebasis v4.1 entscheidet daß ihnen BSD besser gefällt, dann ist v4.1 unter GPL, und v4.1+ BSD (Voraussetzung für die Lizenzänderung: CAs). Rückwirkende Änderungen können nicht passieren, und jeder kann mit der v4.1 Codebasis hergehen und diese unter GPL weiterentwicklen (klassischer Fork). Da er aber keine CAs besitzt (außer die jetzt unter BSD Entwickelnden geben ihm die) kann er die GPL nie ablegen für das Projekt.
#4 Chris schrieb am Dienstag, 11. Oktober 2005 11:26:00:
Punkto Ausstiegspassus GPL - einen gibt es, den man als solchen definieren könnte:

http://www.gnu.org/licenses/gpl-faq.html#InternalDistribution

Btw, diese FAQ ist die autoritative Quelle für Fragen rund um die GPL.
#5 Thomas schrieb am Dienstag, 11. Oktober 2005 13:08:00:
Danke dir für die Infos. Bedingung ist also definitiv die Existenz von CAs für jeden beteiligten Developer, wenn man das Ganze einmal "schließen" möchte, ohne Teile davon neu zu entwickeln.

Aber um zum ursprünglichen Gedanken zurückzukehren:

Es ist doch eher unwahrscheinlich, dass bei einem Projekt wie zum Beispiel #develop (mal außer Acht gelassen, unter welcher Lizenz das steht, weiß ich nämlich gerade nicht) sich die Leute, die jahrelang freiwillig und unentgeldlich an dem Projekt gearbeitet haben, womöglich noch von verschiedenen Kontinenten stammen, plötzlich allesamt zu einer Firma zusammentun. Also sowohl aus politischen, wie auch aus moralischen Gründen würde ich das fast ausschließen.

Von daher bleibt der Punkt wohl min. so unwahrscheinlich wie der des Arrangements mit dem kommerziellen Markt, auch wenn es theoretisch möglich ist.
#6 Chris schrieb am Dienstag, 11. Oktober 2005 18:54:00:
Weil Du von #develop sprichst: die Lizenz ist GPL, und es besteht eine CA-Verpflichtung für Contributors, sonst wird der Code nicht angenommen. Ist aber bei Mono genau nicht anders. Kommt immer drauf an, ob am Projekt jemand (Person oder Firma) beteiligt ist, der sich zu diversen rechtlichen Aspekte Gedanken macht.

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