Udo berichtet erbost von seiner Reaktion auf die Aufnahme seiner Blog-Einträge in das "Archiv Blog". Anlass genug ersteinmal nach zu schauen, ob sich meine Inhalte da nicht auch wieder finden, und tatsächlich, sie tun es.

Mein erster Gedanke: Okay, gar nicht gut. Gleich mal anschreiben und Unterlassung fordern.

Mein zweiter Gedanke: In wie weit rollt man solchen "Angeboten" eigentlich den roten Teppich aus, wenn man seine eigenen Inhalte via RSS komplett zur Verfügung stellt?

RSS, also "Really Simple Syndication" meint ja per default nicht zwangsläufig nur das Abonnieren im User-eigenen RSS-Reader. Mein Feed wird z.B. bei DotNetGerman zusammen mit den Inhalten von anderen .NET-Bloggern gebracht, und ich habe auch nichts dagegen - im Gegenteil, wenn meine Inhalte unter meinem Namen damit etwas mehr Verbreitung erfahren, warum nicht - ich blogge ja nicht für mich (nicht nur ;-)).

Nur: ich möchte erstens gerne wissen, wer sich meiner Inhalte bedient, und ich habe etwas dagegen, wenn man sich an ihnen ohne meine Zustimmung bzw. Beteiligung meinerseits daran bereichert.

"Dieser Service ist völlig kostenlos für alle Nutzer und wird die anfallenden Kosten allein durch Werbung auf dieser Webseite finanzieren."

Klar. Ich bin lange genug im Webgeschäft, um zu wissen wie der Hase läuft. Man indiziert ein paar tausend Blogs, generiert damit minütlich aktualisierten ordentlichen Content, schmeißt diesen dem Google-Bot in den Rachen und zieht damit abertausende User aus der ganzen Welt an, die man dann über die geschalteten Google-Anzeigen und Banner wieder weiterziehen lässt. Da kann locker mal ein vier- bis fünfstelliger Betrag im Monat rumkommen. Ohne das man selbst wirklich etwas zu tun hat, als zu sehen, dass der Server schön stabil läuft.

Nicht mit mir.

Ich werde also meinen ersten Gedanken wieder aufgreifen und meinem Unmut Luft machen, ggf. auch weitere Schritte einleiten (was momentan ja noch nicht abzusehen ist), wozu habe ich schließlich eine Rechtsschutzversicherung.

Aber:

Die allgemeine Frage, in wie weit es eine Grundlage gibt, sich dagegen zu verwehren, wenn man die Inhalte via RSS & Co. bereitstellt, bleibt - und ich habe noch keine Rechte Antwort darauf gefunden. Die gleiche Frage stellt sich natürlich auch in anderen Bereichen - was ist z.B. mit Inhalten, die ich in ein öffentliches Forum poste - Quellcode zum Beispiel. Darf der ohne Weiteres von anderen kopiert und weiterverbreitet werden? Eigentlich schon ... oder?

Update:

Kleiner Nachtrag: es stellt sich natürlich die Frage, warum man seine kompletten Inhalte via Feed bereitstellt, wenn man nicht will dass diese von Dritten verbreitet werden. Die Frage kann ich ganz klar beantworten: ich will den Lesern, die diesen Feed abonniert haben, die Inhalte komplett liefern, da ich allein ein Interesse daran habe, dass die Sachen gelesen werden, und erst in zweiter Linie auf meiner Page Traffic generieren möchte.

Update 2:

"Hallo!

Wir haben soeben alle Beiträge aus dem Archiv-Blog entfernt, die von http://blog.thomasbandt.de stammten.

Falls du diesen Service zu einem späteren Zeitpunkt wieder nutzen möchtest, kannst du dein Blog jederzeit wieder anmelden unter ...

Grüße

Das Archiv-Blog.de Team"

Update:

http://blog.thomasbandt.de/PermaLink,guid,e95c603c-9552-43c1-b604-8b06820ed722.aspx

Kommentare

#1 tboley schrieb am Sonntag, 7. Mai 2006 14:16:00:
Es macht eine Unterschied, ob ich gelesen oder beklaut werden möchte. Ein RSS-Feed ist ein Service an die Leser, keine Einladung, sich an den Inhalten zu bedienen.

Würde man deiner argumentation folgen, wäre es so, daß frei zugängliche Regale eine Aufforderung wären, die Inhalte zu nehmen und an der Kasse nicht zu bezahlen.

Nu weil etwas frei zugänlich ist, ist es noch lange nicht erlaubt, es sich einfach zu nehmen.
#2 gogo schrieb am Sonntag, 7. Mai 2006 14:39:00:
Es ist ja auch eine Frage der Darstellung. Und keine Frage, bei archiv-blog scheint es so als ob der Beitrag zum Blog gehört. Ich würde direkte Links vermeiden, um das Projekt nicht noch zu fördern. ;)
#3 Wilhelm [Schoggo-TV] schrieb am Sonntag, 7. Mai 2006 16:16:00:
Interessant auch die Tatsache, daß die dortigen Besucher die derart "gesicherten" Beiträge kommentieren können, ohne daß der Erstautor darüber erfährt oder die Kommentare moderieren könnte.
#4 Shak schrieb am Dienstag, 9. Mai 2006 16:18:00:
Es scheint so, al hätte der Betreiber die Seite aufgegeben. Zumindest erhalte ich immer einen Redirect auf "oodu.de/blogs". Ist ihm die Sache doch zu heiß geworden nach dem sich immer mehr Leute beschwert haben.

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