Mit Erstaunen habe ich in diversen Blogs, Foren und Mailinglisten beobachtet, wie sich die Leute auf "Google Talk" stürzen, kaum ist es erschienen. Ich hatte bis vor wenigen Tagen noch nicht einmal davon gehört.

Was ist Google Talk? Die offizielle Beschreibung lautet: "Google Talk is a downloadable Windows application that enables users to quickly and easily talk or send instant messages to their friends for free.".

Da frage ich mich: so what? Benutzen wir das nicht alle schon, oder zumindest die meisten von uns? Was ist mit Trillian, Skype & Co. - alles auf einmal uninteressant, weil Google etwas rausbringt, was das gleiche macht? Nicht falsch verstehen: ich probiere gerne selbst neue Sachen aus und bin diesen, sofern sie versprechen mir zu nützen, eigentlich auch immer relativ aufgeschlossen gegenüber.

Was ich meine ist dieser schier immer größer werdende Hype um Google. Es fing vor 4 Jahren mit der Suchmaschine an, ging weiter mit Gmail, über Google Earth bis nun hin zu Google Talk. Jedes Produkt für sich hat zweifelsohne seine Qualitäten - aber zusammen ergibt das schon eine "gefährliche Mischung".

Bei Microsoft wird jedes Mal alles mit viel Argwohn betrachtet, wenn nicht gleich verteufelt - vielleicht zu Recht. Aber bei Google kratzt das niemanden, da gibt man gerne seine persönlichen Daten preis:

  • sein persönliches Surfverhalten, via Google Toolbar im IE und neuerdings auch im Firefox. Dabei werden automatisch Daten über die angesurften Seiten an Google ermittelt, wenn man den PageRank wissen will ...
  • E-Mails und Kontakte bei GMail
  • Neuerdings die Handy-Nummer bei einer GMail-Registrierung in den USA
  • Nun laufen auch noch Telefongespräche und Instant Messaging über Google ...
  • And last but not least: die unzähligen Suchabfragen, die man täglich über Google abschickt

Alles in allem also eine wirklich gefährliche Mischung, die die Zähennägel eines jeden Datenschüters hochklappen lassen sollten ... aber, nix da.

Warum ist das so? Warum kann sich Google so symphatisch verkaufen? Wohin wird das führen? Fragen über Fragen ...

Kommentare

#1 Alex schrieb am Samstag, 27. August 2005 13:25:00:
Zum Teil dürfte es sicher darin liegen (insbesondere im Vergleich mit Microsoft), dass die Macher von Google

a) nicht der Reichste Mann der Welt sind, dem man seinen Reichtum nicht gönnt und
b) sie generell nicht so im "Rampenlicht" stehen (was aber auch mit a) zusammenhängt)
#2 jan schrieb am Sonntag, 28. August 2005 18:20:00:
meine rede, thomas. ich bin deshalb auf a9.com umgestiegen. ist zwar von amazon und damit irgendwie vom regen in die traufe aber immerhin etwas aktionismus von userseite :)
#3 Thomas schrieb am Sonntag, 28. August 2005 19:43:00:
"Vom Regen in die Traufe" trifft es ganz gut, denn niemand sammelt mehr Daten als Amazon bis jetzt ,-)
#4 Florian Krüsch schrieb am Sonntag, 28. August 2005 22:16:00:
Recht hast Du.
Zu Deiner Frage, warum das so ist - ich glaube das hängt damit zusammen, dass Google sich so unaufdringlich und sauber verkauft.
Das betrifft sowohl die Website und Services aber auch das Marketing und wie sie Ihre Produkte abgeben.
MS presst vieles über Windows und den Desktop einfach in den Markt (MediaPlayer, IE, MSN Messenger etc.)...

[ANM - hm, warum kann ich den Kommentar jetzt wieder editieren?]
#5 Thomas schrieb am Sonntag, 28. August 2005 22:37:00:
Um nicht zu sagen, dass sie ihre Kritiker ruhig stellen und zusehen, dass sie nur für positive Presse sorgen ...

Aber ich muss eigentlich schon aufpassen, dass hier niemand mitliest und mir meinen AdSense-Account sperrt ;-)
#6 Philip schrieb am Montag, 29. August 2005 09:20:00:
Hallo Thomas

Ich habe letzthin genau so gedacht wie du. Mit diesem Messenger hat Google wohl erstmals einen grösseren Fehler begangen. Denn, im Gegensatz beispielsweise zu GMail, ist es wirklich nur eine Kopie und nichts neues, weltbewegendes.

Am Wochenende sah ich mir ein interessantes Webcast von Google an, die Factory Tour: http://www.google.com/intl/en/press/factorytour.html (das erklärt einiges von Googles Produktestrategie)

Ich bin aber momentan immer noch ein Google-Fan, beobachte aber alles kritisch.
#7 Knuth Konrad schrieb am Montag, 29. August 2005 17:38:00:
Da bisher meines Wissen nach niemand gezwungen wird die von Dir aufgezählten Google-Dienst zu nutzen, macht das vielleicht den Unterschied zu MS aus.

Bei MS erhalte ich - ohne Nachfrage - mit Windows den IE und mit dem IE ein "Alexa, What's related" mitinstalliert.

Beim Kauf von Volume/Open Licence-Produkten *muß* ich ein Passport-Account anlegen, um an die Produkte zu kommen/den Vertrag anzunehmen.
#8 Thomas schrieb am Montag, 29. August 2005 17:45:00:
Ich vertraue Microsoft auch nicht auf ganzer Linie, verteufle sie aber auch nicht wie die meisten anderen die ich so kenne.

Trotzdem habe ich mich jahrelang erfolgreich geweigert nen Passport-Account anzulegen, bis ich es dann aus den von dir genanntem Grund auch machen musste.

Nur - ist das nicht der konsequente nächste Schritt, der dann von Google demnächst auch zu erwarten ist? Ich würde da jede Wette eingehen ...

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