Irgendwie sollte ich es vermeiden nachts, wenn ich ins Bett gehen will, noch ZDF beim zappen mitzunehmen - denn ich erwische mich immer öfter dabei, wie ich dann da hängen bleibe. Gestern war es mal wieder soweit: es lief die absolut empfehlenswerte Dokumentation "Was lebst du?" von Bettina Braun.

Der Film begleitet eine Clique von Jugentlichen über 2 Jahre in ihrem Leben - und er bringt Leben in die Begriffe "Parallelgesellschaft", "Randgruppen", "Jugendarbeitslosigkeit" usw. - also alles Schlagworte unserer Zeit.

Während in Frankreich gerade Autos brennen und der Ausnahmezustand um 3 Monate verlängert wurde, während Beckstein und Konsorten wieder das Thema Ausländer-Integration aufgreifen, gibt diese Doku einen meiner Meinung nach guten Einblick in die Realität. Er zeigt anhand der Perspektivlosigkeit der Jungs und ihres Umfelds gnadenlos die Schwächen unserer Gesellschaft auf, liefert aber gleichzeitig am Beispiel einer der Hauptpersonen, Ali, einen Lichtblick. Selbiger findet sich nämlich unversehens in der Hauptrolle eines Musicals wieder - und obwohl ihm die ganze Zeit nicht wohl in seiner Haut ist und er es auch vor seiner Familie verheimlicht, zieht er die Sache durch - und hat am Ende sogar wieder Träume ...

Empfehlung: unbedingt anschauen.

Kommentare

#1 sarah schrieb am Donnerstag, 5. Januar 2006 22:20:00:
da kann ich absolut zustimmen! im gegensatz zu ihnen habe ich die dokumentation von bettina braun auf phoenix gesehen, als teil eines themenabends, am 04.01. 2006. ich bin im alter der vier protagonisten, und mich hat dieser film sehr berühert. zwar besuche ich ein gymnasium, und muss mir um dinge wie meinen realschulabschluss keine sorgen machen, aber trotzdem herrscht eine gewisse perpektivlosigkeit. meine mutter kommt aus deutschland, mein vater allerdings kam zum studieren vom aserbaidschan nach deutschland. ich habe einen 21-jährigen bruder. wir beide fühlen uns nicht als deutsche, aber auch nicht als aserbaidschaner, und haben weder einen richtigen bezug zur einen noch zur anderen kultur. meinen deutschen freunden ist es genauso wie den ausländischen völlig unverständlich wie man etwas mit dem anderen zu tun haben kann. wobei keiner von beiden den willen zeigt auf den anderen mal zuzugehen und ihn kennenzulernen. bei den einen sind die anderen sehr unbeliebt und umgekehrt genauso. die deutschen nehmen es als selbstverständlich das gymnasium mit guten noten abzuschließen, die ausländer bewundern allein schon das auf dem gymnasium sein. ich hoffe das die träume und wünsche der jugendlichen (inziwischen wohl eher erwachsenen) aus "was lebt du" in erfüllung gegangen sind. ich habe viel von ihnen in meinen (ausländischen) freunden und mir wieder erkannt. ich frage mich aber immer noch was mich an diesem film so sehr fasziniert...
#2 Kristin schrieb am Samstag, 1. September 2007 16:25:00:
stimme euch völlig zu. was lebst du ist definitiv sehenswert. ich habe die doku damals auch auf phoenix gesehen und suche seitdem nach verbündeten, die den film gesehen haben und ihn genauso gut finden wie ich. schön, dass wir alle einer meinung sind. ich warte nun schon seit einem jahr, dass die doku irgendwo nochmal gesendet wird, damit ich sie aufnehmen kann. wäre nett, wenn ihr bescheid, falls ihr was wisst

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