"Der nigerianische Spieler des FC Sachsen Leipzig, Adebowale Ogungbure, sieht sich in der NOFV-Oberliga Süd schon während der gesamten Saison 2005/06 rassistischen Pöbeleien ausgesetzt. Den unrühmlichen Höhepunkt erreichten die Anfeindungen mit Beginn der Rückrunde. Nachdem sich "Ade" schon beim ersten Spiel nach der Winterpause im vogtländischen Auerbach Urwaldrufe von der Tribüne gefallen lassen musste, war es bei der Partie gegen den ZFC Meuselwitz sogar Ades direkter Gegenspieler, welcher ihn mit rassistischen Beschimpfungen diskriminierte. Auf Grund dieser Vorfälle stellte sich die Mannschaft demonstrativ hinter ihren Mannschaftskollegen, indem sie sich unter dem Motto "Wir sind Ade" schwarz anmalen und fotografieren ließen, um somit ihre Solidarität mit ihrem Mitspieler zu beweisen.
Dennoch spitzte sich während der Partie des Halleschen FC gegen den FC Sachsen Leipzig am 25. März 2006 die Lage weiter zu. Nach Spielende stürmten Fans des FC Sachsen das Feld. Sie wurden jedoch durch die Polizei zurückgedrängt. Gleichzeitig gelangten Fans aus Halle auf das Feld und bespuckten und beschimpften Ade als "Affen", "Bimbo" und "Drecksnigger". Nachdem er den Gang zum Spielertunnel angetreten hatte, hallten ihm von der Tribüne - wie schon das ganze Spiel über - Affenlaute entgegen. Daraufhin zeigte Ade von Emotionen überwältigt den Hiltergruß und formte zwei Finger zum Diktatorbärtchen. Die Folge war, dass er von den auf dem Feld befindlichen gegnerischen "Fans" getreten und geschlagen wurde. Schließlich stellte sich ein Spieler des Halleschen FC schützend vor Ade und geleitete ihn in den Spielertunnel.
Am darauffolgenden Tag wurde gegen Ade eine Anzeige wegen Zeigens von Symbolen verfassungswidriger Organisationen aufgegeben. Die eigentlichen Täter, die neben rassistischen Parolen auch "Hier regiert die NSDAP" von den Hallenser Rängen gerufen hatten oder handgreiflich geworden sind, blieben zunächst unbehelligt. Ade wurde vom Opfer zum Täter stilisiert. Dank vieler öffentlicher Proteste, unter anderem vom Zentralrat der Sinti und Roma, wurde das Verfahren schon am nächsten Tag durch die Staatsanwaltschaft eingestellt."
Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, "das sind Ausrutscher". Aber so ist es leider schon lange nicht mehr. Die Unzufriedenheit der Menschen lässt seit vielen Jahren eine braune Suppe hochkochen, die trotz immer stärkerer gesellschaftlicher Verankerung, von der breiten Masse der Bevölkerung nur am Rande wahrgenommen, von der Politik ignoriert und totgeschwiegen und von den Fußballvereinen stillschweigend toleriert wird.
Es wird Zeit, im wahrsten Sinne des Wortes Farbe zu bekennen, und diese Aktion ist ein guter Anfang.
Wir sind Ade.
Hintergründe.