Liest man sich als normaler Computernutzer die aktuellen Meldungen aus Seattle durch, könnte man den Eindruck gewinnen, Steve B. hat mal wieder zu viel "von diesem Wunderzeug" genommen:
Tja, wer weiß - gut möglich. Versucht man das Säbelrasseln aber mal halbwegs objektiv einzuordnen, ergibt sich im Zusammenhang mit den Aussagen und dem Novell-Deal durchaus ein passendes Gesamtbild.
Nachdem Microsoft es in den letzten Jahren nicht geschafft hat, sich der lästigen Konkurrenz durch die Qualität und Verbreitung der eigenen Produkte zu entledigen, ja sogar die eigene Monopolstellung bei Windows zum Bumerang geworden ist, versucht man es jetzt auf dem Weg. Man kennt das hierzulande aus dem Fußball: vor einem wichtigen Spiel in Bremen wird dann von Seiten des FC Bayern mal das Gerücht in der Presse gestreut, man wolle Miroslav Klose kaufen ...
Soweit Business as usual, man kann das durchaus gelassen sehen und ignorieren.
Fakt ist aber leider auch, dass Ballmer und seine Justiziare wahrscheinlich gar nicht so falsch liegen. Ich habe mich zuerst auch gefragt, was jetzt Linux-Code mit Microsoft zu tun haben soll, sogar kurz schmunzelnd überlegt, ob der Vorwurf auf KDE bezogen ist, weil die Oberfläche so aussieht wie Windows - was sich bis auf Xerox zurückführen ließ ;-).
Bis dann Chris ein paar Links zu Patenten rauskramte. Hier mal ein paar Beispiele von Scott Guthrie, ein Name in der ASP.NET-Szene. Man schaue sich die einzelnen Patente mal an, überlege wie viel geistige Kraft notwendig gewesen sein muss, um die Sachen zu entwickeln, und bewerte dann die Erfindungshöhe.
Nicht selten sollte bei dieser Bewertung NULL rauskommen. Aber das ändert leider nichts an der Tatsache, dass sie (die Patente) gehalten werden. Und das trifft wohl auch massenweise auf typische und übliche Prozesse in gängiger Software, darunter vor allem auch Linux zu.
Das Problem ist also im Kern nicht, dass Linux Softwarepatente verletzt, sondern dass Firmen wie Microsoft, IBM und so ziemlich alle großen Player im Markt, Patente auf Nichtigkeiten besitzen, die sie im Zweifel zur Verteidigung ihrer "Shareholder-Values" einsetzen können.
Ich halte die Bedrohung für immens, und der konkrete Fall verdeutlicht sehr stark, warum man alles tun sollte, um Software-Patente dieser Gattung zu verhindern.
http://www.stoppt-softwarepatente.de/