Es gab da vor vier Jahren einen Moment, in dem ich am liebsten alle Microsoft-Produkte weggeschmissen hätte. Das war die Zeit vor dem Launch von Windows Vista, als man in Redmond intensiv darüber nachdachte eine Art Wegwerf-Lizenz zu entwickeln, mit der man sein Windows nach einem Kauf nur noch 3x aktivieren konnte. Meine Wut darüber ging sogar soweit, dass ich mich kurz mit Java als Alternative zu .NET beschäftigte (von Mono war damals noch nicht wirklich zu sprechen) ;-).
Microsoft knickte nach einem Sturm der Entrüstung ein und veröffentlichte Vista schließlich unter einer Lizenz, wie man sie kannte. Was ihnen freilich auch nicht viel half – denn Vista war einfach nur träge, bunt und kein wirklicher Fortschritt. Der einzige Grund, warum ich es durchgängig einsetzte, war die Tatsache, dass Windows XP einfach schon steinalt und unsicher war.
So machte es mir Microsoft mit Vista Ende 2008 auch einigermaßen leicht, einen Blick nach Cupertino zu werfen. Mein erster Versuch anno 2006 war mehr oder minder kläglich gescheitert, aber durch die Liebe auf den zweiten Blick für das Alu MacBook bekam Apple seine zweite Chance.
Immer noch von dem Gedanken der Unabhängigkeit von Microsoft beseelt fing ich dann auch an OS X aktiv und intensiv als mein primäres Betriebssystem zu Hause und unterwegs zu verwenden. Wenn ich nun schon einen Mac hatte, wollte ich schließlich auch Mac OS verwenden. Das klappte auch – zwar musste ich für allerhand unter Windows gratis zu habende Utilities einiges zahlen, aber unterm Strich war ich fast eineinhalb Jahre sehr zufrieden.
Nun wurde in dieser Zeit das unglückliche Windows Vista durch Windows 7 abgelöst, auch auf all meinen Rechnern. Nutzte ich es anfangs auch auf dem MacBook zunächst via VM und später via Bootcamp noch parallel zu OS X, kam dann vor ein paar Monaten der Zeitpunkt, Apple wieder tschüss zu sagen.
Ich kann bis heute die Ursache nicht genau benennen, aber irgendwie vertrug meine OS-X-Installation das bootcampen nicht und ich war gezwungen alle paar Tage ein Backup (via TimeMachine ein Traum) einzuspielen. Irgendwann riss mir dann die Hutschnur und ich beschloss nur noch Windows 7 zu verwenden.
Nun bin ich immer noch durch meine Entwicklung mit .NET und Visual Studio sehr „Windows-addicted“ und das auch während der Nutzung von OS-X die ganze Zeit gewesen. Aber wie bereits geschrieben fand ich den Gedanken mehrgleisig zu fahren immer sehr reizvoll.
Das relativierte sich dann mit Windows 7 immer mehr. Heute bin ich an dem Punkt wo ich sage: Windows 7 ist nicht nur das beste Betriebssystem, dass Microsoft je veröffenlticht hat, es ist auch das bessere System im Vergleich zu Snow Leopard.
Dabei sind es vor allem die kleinen Dinge, die meine Produktivität einfach unglaublich steigern. Ob es das im Vergleich zu allen Mac-Lösungen viel funktionsreichere und effizientere Startmenü ist, der Windows Explorer mit seinen Favoriten (der Finder ist furchtbar umständlich im Vergleich) oder die Vorschau in der Windows-Taskleiste sowie die darüber erreichbaren gruppierten Instanzen einzelner Anwendungen (auch hier: das Dock löst das furchtbar umständlich!).
Es sind Kleinigkeiten die das Leben leichter machen – wie so oft. Natürlich bleiben Schattenseiten. Etwa die Höhe der Lizenzkosten, hier stellt sich Apple einfach viel geschickter gegenüber Privatkunden an (allerdings verdienen sie mit Software auch nicht ihr Geld, Microsoft schon). Und auch ein paar Features werde ich vermissen, beispielsweise das angesprochene Time Machine. Zwar nutze ich inzwischen Acronis 2010, was eine funktionierende „Nonstop Backup“-Funktion mitbringt, aber so bequem wie mit Time Machine ist es nunmal nicht.
Aber trotzdem: Windows wins. Zumindest in dieser Runde – und ich bin mir sicher, es werden noch viele folgen.
P.s.: Ich finde fast nichts peinlicher als Microsoft-Fanboys, wollte das aber mal gesagt haben ;-).