Was heute Morgen über Twitter und die Ticker lief, wurde nach meinem Eindruck von vielen eher beiläufig wahrgenommen, in der gewohnten Flut der täglichen Informationsvielfalt. Doch diese Headline hat es in sich: "Google erwägt Rückzug aus China", im Original-Blogpost "A new approach to China".
Unterm Strich bedeutet das nicht mehr und nicht weniger, als dass Google sich hoch offiziell vor der gesamten Weltöffentlichkeit gegen die Zensurpraxis in China stellt und ganz bewusst auch eine (globale!) Diskussion über das Menschenrecht der freien Meinungsäußerung anstößt.
Ich bin wirklich sehr gespannt auf die Auswirkungen, die diese Aktion haben wird. Wenn der derzeit erfolgreichste Internet-Konzern sich in dieser Hinsicht klar positioniert, dann ist das ein Zeichen, auf das ich persönlich längst gewartet habe, dass ich aber ehrlich gesagt kaum mehr für möglich hielt. Nicht nur ein Zeichen an das Regime in Peking, sondern ein Zeichen an alle Nutzer und Regierungen dieser Welt, unsere eingeschlossen, dass das Internet wie wir es kennen, nur dann funktioniert, wenn man die Nutzer weder überwacht noch einschränkt und die Inhalte auch nicht zensiert.
Kritikern der derzeit gängigen Bemühungen hin zu mehr Kontrolle und Überwachung (unter anderem ja durch Populisten wie von der Leyen und Schäuble auch in Deutschland) dürfte dies Rückenwind verleihen.