Was für ein Wochenende, zwei Tage voller Skandale.

Der erste Skandal ist, Überraschung, nicht das Wahlergebnis. Klar, mir geht nicht ganz in den Kopf, wie man diesen neo-liberalen Haufen, dessen Ideologie maßgeblich für die Finanz- und Wirtschaftskrise dieser Tage verantwortlich ist, mit einem Kasper mit Provinzniveau wählen kann. Aber okay, die Mehrheit der Menschen Wähler hat so entschieden, und ich respektiere es.

Übrigens nicht ohne eine gewisse Spannung und Vorfreude zu verhehlen. Denn erstens täte diesem Land ein von der FDP proklamierter Bürokratieabbau wirklich gut, zweitens sind so die Chancen gestiegen, diese unsägliche Gesundheitsreform zu korrigieren und drittens werde ich wohl meine private Krankenversicherung behalten können, auch wenn das völlig unsozial ist :-P.

Was wollte ich sagen? Ach ja, Vorfreude. Ich gehe mal davon aus, dass die FDP ihre Freiheitsideale der verschärften Sicherheitslage opfern und so verraten wird. Gut für die Piraten. Außerdem wird es zwangsläufig einen Kahlschlag bei den Transfersystemen geben, was dem linken Lager Futter für 2013 liefern wird. Die SPD hat, wenn sie es schafft ihre Führungsriege in Rente zu schicken, Steinmeier eingeschlossen, eine Chance sich zu resozialdemokratisieren und neu aufzustellen.

Nun noch zu den Skandalen.

1. Die Wahlbeteiligung

Über Twitter ging heute folgende Karte mit der Bemerkung "Wer noch nicht wusste, wo Ostdeutschland liegt":

Nur ein Wort: Beschämend!

2. Ein Ausblick auf die kommende Sicherheitspolitik

Am Samstag sind in München zwei mutmaßliche Islamisten festgenommen worden. Ihr Vergehen? Keins. Grund für die Festnahme und die Schutzhaft, die wir übrigens im dritten Reich schon einmal hatten, scheint die unglaubliche Inkompetenz der Polizei zu sein, die die Jungs versucht hat zu überwachen. Dabei sind sie wohl aufgeflogen, woraufhin man sich nicht anders zu helfen wusste, als die beiden bis zum Ende des Oktoberfests hinter schwedische Gardinen zu stecken:

"Wegen der Kontakte der beiden Männer wurden sie in den Tagen nach Erscheinen der Videobotschaften observiert. Dabei verhielten sie sich nach Polizeiangaben konspirativ, versuchten die Beschatter abzuschütteln oder die Tarnung der Fahnder auffliegen zu lassen. Schlussendlich hatte die Polizei den Eindruck, dass beide möglicherweise versuchten, sich "Freiraum für Aktivitäten" zu schaffen und beantragte die präventive Haft, die am Sonntag zwei Richter bestätigten."

Das ist übrigens eine Totschlag-Argumentation für jeden, der in Zukunft noch irgendwie sein Recht auf Privatsphäre beanspruchen will. Und eins ist auch klar: Kurse für Demokratie an der Volkshochschule werden diese beiden nach ihrer (hoffentlich baldigen) Freilassung sicher nicht halten.

Kommentare

#1 Rene Drescher-Hackel schrieb am Montag, 28. September 2009 20:48:00:
Hallo Thomas,

nenne mir einen vernünftigen Grund
- warum nach 20 Jahren Deutsche Einheit kein einheitliches Lohnniveau besteht,
- warum der Osten nur als Absatzmarkt betrachtet wird,
- warum in Westdeutschland nahezu keine Produkte aus Ostdeutschland vertrieben werden (dürfen),
- warum niemand ein ernsthaftes Interesse an wirklichen Investitionen im Osten hat,...

Mich verwundert die Resignation im Osten nicht besonders. Wer irgendwie konnte hat sich einen Job und sein Glück anderswo gesucht - was bleibt, zeigt deine Grafik.

Und mal Hand auf's Herz - ob du zur Wahl gehst oder nicht - da kann in China auch ein Sack Reis umfallen...
Deutschland ist im festen Würgegriff der Großaktionäre - da ist es egal, wer den Politkaspa macht für die nächsten 4 Jahre.
Die liebe Politik hat das Grundgesetz geändert, um keinen Volksentscheid nach der Wiedervereinigung machen zu müssen - mich hat keiner gefragt, ob ich damit einverstanden war. Aber alle haben zugestimmt - Regierung und Oposition. Also lassen wir uns wieder 4 Jahre auf den Arm nehmen und hoffen, dass sich doch was tut... ;-)

Rene
#2 Thorsten schrieb am Dienstag, 29. September 2009 09:06:00:
Holla, da spricht mir ja einer direkt aus der Seele! :o)
#3 AK schrieb am Freitag, 16. Oktober 2009 19:48:00:
Hallo Thomas,

Skandalös finde ich eher, die polemische Art auf den Osten hinzuweisen durch diese Bemerkung bzw. Anspielung. Schaut man Sich die Wahlbeteiligung in den 70er Jahren an, war diese über 83 Prozent in allen Altersklassen. (Quelle: http://www1.bpb.de/wissen/C11SZM,0,0,Wahlbeteiligung_nach_Altersgruppen.html) Die in der Grafik (Wahlbeteiligung in Ländern) verwendete Skala ist etwas mit vorsicht zu geniessen, da sie im grunde nichts aussagt. wenn die 70er Jahre als Maßstab nehmen würde, dann ist ganz Deutschland davon betroffen. Diese Art von Info Grafiken haben null Aussage deshalb. Aber wenigstens mal ein Tweet der hoffentlich zum nachdenken angeregt hat und nicht nur zum aufregen. Durch die hohe Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit im Osten, lässt sich die schlechte Wahlbeteiligung einfach erklären. Meinem Vorredner kann ich mich jedoch nicht anschließen! Denn wer nicht wählen geht, hat auch keine Stimme und kein Recht sich irgendwie zu äußern. Ich denke die Piraten haben gezeigt, dass es sehr wohl möglich ist, der Politikverdrossenheit, aus einer Nische heraus, die Stirn zu bieten. Viele Grüße AK
#4 Hausverwalter Köln schrieb am Montag, 19. Oktober 2009 11:13:00:
Es sei aber doch angemerkt, dass sich natürlich auch nichts ändern kann, wenn man nur über die Politik schimpft, aber noch nicht einmal zur Wahl geht...wer nichts tut, hat auch kein Recht sich immer so künstlich aufzuregen. Natürlich läuft einiges schief und man muß oft die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, so traurig sind manche politischen Entscheidungen. Aber wenn man sich nicht für sein Land einsetzt, kann man auch nicht erwarten, dass andere sich große Mühe geben!
#5 Rene Drescher-Hackel schrieb am Montag, 19. Oktober 2009 21:13:00:
Politiker hat es noch nie interessiert, was Volkes Seele will. Warum haben denn die Politiker (aller Parteien) so schnell das Grundgesetz geändert, um nicht im Wege es Volksentscheides (so wie es das GG vorsah!) eine gesamtdeutsche Verfassung zu geben?

Ich gehe jedes Mal brav wählen - geändert hat sich nix.
Jetzt habe ich die Volksvertreter direkt angeschrieben, warum sie schwachsinnige Gesetze verabschieden? Da reicht dann einer die Verantwortung zum anderen - also sind wir doch wieder beim Reissack in China...

Wenn heute ein Gesetz verabschiedet wird, dann müssen schon die führenden Wirtschaftsunternehmen mit einverstanden sein (dank der Politik im Aufsichtsrat).

Ich könnte hier den ganzen Abend Beispiele aufzählen, aus denen klar hervorgeht, dass man eigentlich doch nur alle 4 Jahre zum "dummen Wahlvieh" verkommt.

Rene
#6 Rene Drescher-Hackel schrieb am Montag, 19. Oktober 2009 22:11:00:
und noch einen Nachtrag aus aktuellem Anlass:

Welchen Sinn ergibt es, dass über eine Nachrichtensendung stolz verkündet wird, dass doch der "Volksimpfstoff" viel besser ist, als der "Vollvirusimpfstoff" für Regierung und Bund? Man kann ja den gemeinen Menschen für blöd verkaufen... Am Ende ist die "Schweinegrippe" möglicherweise aus einer Spielerei mit Versuchen zu Biokampfstoffen entstanden... - wundern würde es mich nicht.
Und wenn der Impfstoff so egal ist, dann kann ja der Bund und die Regierung seinen Impfstoff gegen den des gemeinen Volkes tauschen...

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/814532
#7 Thomas schrieb am Montag, 19. Oktober 2009 22:36:00:
"Politiker hat es noch nie interessiert, was Volkes Seele will. Warum haben denn die Politiker (aller Parteien) so schnell das Grundgesetz geändert, um nicht im Wege es Volksentscheides (so wie es das GG vorsah!) eine gesamtdeutsche Verfassung zu geben?"

Darf ich kurz nachfragen was genau das Problem ist - dass du persönlich nur indirekt gefragt wurdest (über den von die von dir gewählten Vertreter im Parlament), oder dass es zur Wiedervereinigung kam?
#8 Rene Drescher-Hackel schrieb am Dienstag, 20. Oktober 2009 09:16:00:
Hallo Thomas,

"dass du persönlich nur indirekt gefragt wurdest (über den von die von dir gewählten Vertreter im Parlament), "

das ist eben der falsche Ansatz: sicher war es rechtlich durch eine Hintertür möglich stillheimlich das GG zu ändern, doch haben sich die Verfasser des Gundgesetzes etwas bei gedacht, dass das deutsche Volk sich im Wege eines Volksentscheides eine eigene Verfassung geben sollten.

Und zum Thema Wiedervereinigung: nein, die Wiedervereinigung war mir persönlich nicht so wichtig, die Durchlässigkeit der Deutsch-Deutschen Grenze, der Ausbau der Handelsbeziehungen beider deutschen Staaten, eine freiheitliche demokratische Ordnung,... hätte auch genügt.

Nach den Grenzen des Deutschen Reiches schreit auch kein Mensch - wieso also nicht zwei deutsche Staaten? Sonst hätte man ja auch auf die Grenzen des Germanischen Reiches zurück gehen können...

Ob die Schwachköpfe der SED Regierung oder unsere heutige politische Landschaft - es hat nur einen anderen Namen.

Rene
#9 Thomas schrieb am Dienstag, 20. Oktober 2009 09:30:00:
Also bist du unterm Strich doch nur beleidigt, weil dich niemand gefragt hat und dann auch noch gegen deine Haltung entschieden wurde.

Falls es dich beruhigt: hätte es einen Volksentscheid gegeben, wäre das Ergebnis, da bin ich mir sicher, das gleiche gewesen. Und das ist auch gut so.

Vielleicht sollte man es an der Stelle auch dabei belassen, es wird ja immer abstruser und abenteuerlicher ... viell. führen wir es mal beim Bier fort ;-).

Dein Kommentar