Vor ein oder zwei Jahren habe ich bei der norisbank ein "Top3-Zinskonto" eingerichtet, was zu dieser Zeit wirklich konkurrenzlose gute Zinssätze geboten hat. Wie das halt so ist, wenn man ein paar Zinsen erhält, will darüber das Finanzamt auch genauestens Bescheid wissen. Üblicherweise schicken Banken (alle bei denen ich Konten habe) Jahressteuerbescheinigungen oder wenigstens schriftlich Kontoauszüge. Nicht so die norisbank.

Also forderte ich eine Jahressteuerbescheinigung per E-Mail an, ist ja schließlich eine Direktbank. Als Antwort bekam ich, dass derartige Aufträge generell nur schriftlich per Post einzureichen sind. Also tat ich auch das. Antwort: da bei mir keine Steuern angefallen sind, ist die Ausstellung der Bescheinigung nicht möglich. OK, alles unterhalb des eingerichteten Freistellungsauftrags.

Da ich aber nun immer noch nichts Schriftliches in der Hand hielt, forderte ich - nochmals per Post - einen Kontoauszug für das gesamte Jahr 2008 an, ohne mir dabei etwas zu denken. So viel Service wird doch drin sein?

Heute, gefühlte 2 Monate später, lag dann ein Brief mit folgendem Text in meinem Briefkasten:

"Sehr geehrter Herr Bandt,

die von Ihnen angeforderten Kontoauszüge für das Jahr 2008 liegen in unserer Filiale bereit.

Um Ihnen die Auszüge zusenden zu können bitten wir Sie Euro 80,00 auf das Konto XXX norisbank GmbH, BLZ YYY norsibank GmbH zu überweisen.

Mit freundlichen Grüßen"

Ich musste den Brief zweimal lesen, regte mich aber zuerstmal darüber auf, dass die Auszüge in der Filiale liegen. Was ist das denn bitte für ein Quatsch? Von einer Direktbank erwarte ich etwas anderes. Und bei den 80 EUR konnte es sich nur um einen Fehler handeln, wobei mir nicht klar war, wie man auf 80 Cent Versandporto kommen kann.

Etwas angesäuert setzte ich mich sofort ins Auto und fuhr zur Filiale. Dort angekommen drückte ich einer Mitarbeiterin das Schreiben mit der Frage "Ist das ein Witz?" in die Hand und bat Sie gleich mir die Auszüge mitzubringen. Sie schaute etwas verstört, besprach sich mit Ihren Kollegen und kam dann zurück:

Sie: "Hier sind Ihre Kontoauszüge."
Ich: "OK, danke, und was ist mit den 80 Euro?"
Sie: "Sie haben ja gleich die Auszüge für das ganze Jahr angefordert. Das kostet pro Quartal 20 EUR."
Ich: "Das ist ein Scherz!?!?"
Sie (verunsichert): "Nein, das steht auch so in unserem Preisaushang. Und außerdem haben Sie die ja in der Zentrale in Leipzig angefordert und nicht über uns."
Ich: "Tut mir leid, ich habe mit dieser Filiale nichts zu tun, für mich ist die norisbank eine Onlinebank und deren
Anforderung war nunmal der schriftliche Auftrag nach Leipzig".
Sie: "Hm ..."
Ich: "Geben Sie mir mal das Schreiben wieder, die Kontoauszüge können Sie behalten, das Geld sehen Sie von mir nicht."

Leicht verdattert ließ ich sie dann stehen und ging. Das Finanzamt erhält nun den Betrag der Zinsen einfach genannt und dazu eine Kopie des Schreibens mit den markierten 80 EUR, das müsste auch reichen. Und natürlich geht meine Kündigung für das Konto auch gleich raus.

P.s.: Natürlich stehen die 20 EUR im Preis- und Leistungsverzeichnis, faktisch sind sie also im Recht. Aber mal ganz ehrlich: Kunden hält man sich damit nicht.

Kommentare

#1 Carsten schrieb am Donnerstag, 28. Mai 2009 14:57:00:
Und das in einer Zeit, in der die Banken um jeden Kunden betteln sollten. Schade, dass wir keine Millionen dort liegen haben, sonst würde ihnen eine Kontoauflösung richtig weh tun. Oder hast du etwa? ;-)
#2 Thomas schrieb am Donnerstag, 28. Mai 2009 15:04:00:
Da wäre ich ja kaum innerhalb des Freibetrages geblieben ;-).

Zu deinem ersten Satz: ich hab seinerzeit noch 3 andere Leute für diese Bank geworben, weil die Konditionen einfach gut waren und es Prämien gab. Ergebnis: 1 Kontoeröffnung, 2x nichts mehr gehört. Da war mir schon klar, was das für ein Laden ist.
#3 Andreas schrieb am Donnerstag, 28. Mai 2009 16:30:00:
Du verstehst das nicht!
Nachdem deine Kontobewegungen mühsam von Karteikarten ausgelesen wurden,
kamen die Kontoauszüge auf eine Euro-Palette und wurden per Spedition verschickt. Das kostet halt!
#4 Rene schrieb am Donnerstag, 28. Mai 2009 19:27:00:
Hallo Thomas,

ein kleiner Tip: kündige noch nicht das Konto - reiche den Vorfall beim Ombudmann der Banken (http://www.bankenverband.de/ombudsmann) ein. 20 EUR Kontoführungsgebühren sind da für einen Aussenstehenden durchaus überraschend, wenn nicht ausdrücklich darauf hingewiesen wird.
Selbst wenn du dein Konto kündigst, belastet die Bank ja dein Konto mit den 80 EUR. Ich würde den Bankenombudsmann einschalten.
Ist die norisbank nicht mit dem Fürther Kaufhausriesen "verbändelt"??
#5 Thomas schrieb am Donnerstag, 28. Mai 2009 20:23:00:
Danke für den Tipp mit dem Ombudsmann, den schalte ich ein, wenn sie tatsächlich auf die Idee kommen sollten, mir bei Kündigung die 80 EUR noch abziehen zu wollen. Allerdings müssen sie mir dir direkt in Rechnung stellen, da sie keinen Zugriff auf eines meiner Girokonten haben und das betreffende Tagesgeldkonto längst leer ist. Ich sehe dem gelassen entgegen.

Zu Verbändelung: der Ursprung liegt hier, ja, ist aber seit Jahren eine Tochter der Deutschen Bank (nutzen sogar deren Online-Banking-Software). Der Fürther Kaufhausriese ist übrigens gar keiner mehr, sondern längst in "arcandor" aufgegangen, die bekanntlich kurz vorm Kollaps stehen ;)
#6 Peter schrieb am Donnerstag, 28. Mai 2009 21:40:00:
Das gibt es auch in Klein:
Man möchte einen Einkaufsgutschein, trägt also das Geld schon Wochen oder Monate vor Einlösung in Ware in den Laden. Der arbeitet mit dem Geld. Und damit die Zinsen einen guten Start haben, wird eine Anschubfinanzierung fällig: 50 Cent für's Ausstellen des Gutscheines. So geschehen im ECE-Center am Kornmarkt zu Bautzen.

Das Konzept ist ausbaufähig, siehe Noris-Bank.
#7 Peter schrieb am Samstag, 29. Mai 2010 14:02:00:
Leider hat die Norisbank Ihren Service immer noch nicht verbessert. Heute 2010 ist er vielleicht noch schlechter. Auch ich hatte dieses Jahr viel Spaß bei der Anforderung der Jahressteuerbescheinigung für 2009.

Sie ist immer noch nicht da. Heute 29. Mai 2010 ein Schreiben vom 26. Mai 2010 bekommen, man entschuldigt sich, dass die Bescheinigung noch nicht da ist. Und wahrscheinlich wird man es auch nicht mehr bis zur Abgabe First der Steuererklärung am 31. Mai schaffen. Also in 2 Tagen. Deshalb ein Vordruck für die Abgabe Fristverlängerung beim Finanzamt. Da ist man aber früh dran. Denn ich muss die Erklärung ja in 2 Tagen abgeben.

In der Begründung für die Verlängerung steht leider nicht, meine Bank ist unfähig die Dokumente rechtzeitig zur Verfügung zu stellen. Sie will aber eine Fristverlängerung bis zum 30. Sep. 2010?! Man scheint von der eigen Unfähigkeit also wirklich überzeugt zu sein.

Ich werde auf jeden Fall kündigen. Und diesen Tipp gebe ich auch gerne an jeden weiter. Die Norisbank entspricht absolut nicht meinen Ansprüchen an eine Bank. Und die sind nicht mal hoch.

Dein Kommentar