Ich muss ja zugeben, dass ich über die Dummheit, Dreistigkeit und Kurzsichtigkeit unserer führenden Politiker schon länger etwas resigniert bin. Dass ein bayerischer Innenpolitiker Killerspiele (interessantes Wort, übrigens) auf eine Stufe mit Kinderpornographie stellt, gehört hier in Bayern ja zur üblichen Rhetorik die das konservative Wahlvolk wohl so hören will. Daran gewöhnt man sich, man nimmt es zur Kenntnis und gut. Meist haben derartige Attacken eh keine politischen Entscheidungen zur Folge.

Nun hat aber unsere immer strahlende Power-Frau-Familienmininsterin ein Ding ausgepackt, bei dem sich mir mal wieder der Magen umdreht. Anfangs hielt ich es noch für einen schlechten Scherz der genannten Herrmann-Kategorie, aber wie sich herausgestellt hat, haben inzwischen fünf der größten Provider in Deutschland aus Angst vor dem Tod Selbstmord begangen und den Vertrag unterschrieben. Es ist anzunehmen, dass weitere folgen werden.

Was bedeutet das nun?

Es ist fraglich, ob das zum jetzigen Zeitpunkt schon zu fassen ist. Offensichtliche, von der Politik geflissentlich ignorierte Fakten:

1. Es gibt selbst laut BKA im Web keine aktive kommerzielle Kinderporno-Szene.
2. Selbst wenn es diese gäbe, wäre es kein Problem die "Sperre" auszuhebeln. Beispiel:

Was bleibt?

Unterm Strich eine politische Rauchbaumbe, die verschleiert, dass die gesamte Aktion ihr ausgegebenes Ziel niemals erreichen kann. Das ist der harmlose Teil.

Der weniger harmlose Teil besteht darin, dass wir ab Mittwoch ein gefiltertes und zensiertes Web haben, bei dem das BKA ohne Aufsicht über Filterlisten entscheidet. Heute betrifft das angebliche KiPo-Websites, morgen vielleicht schon "Killerspiel"-Foren, islamistische, komunistische oder Nazi-Websites und irgendwann vielleicht mal Seiten von Chaos Computer Club, Greenpeace, Foodwatch oder sonstigen dem aktuellen Klima unangenehmer Organisationen und Bewegungen. Weit hergeholt? Na dann mal einen Blick nach Down Under werfen ...

Unterm Strich ist nun das Tor zur Zensur und Kontrolle eine weiteres Stück geöffnet worden, was wir wohl in Zukunft nur schwer wieder schließen können. Dazu bräuchte es schon einen "Change" in der Politik, der mit den konservativen Mehrheiten im deutschen Parteiensystem für die nächsten 10 Jahre sicher mehr als unwahrscheinlich ist.

Kommentare

#1 TOM_MUE schrieb am Sonntag, 19. April 2009 12:43:00:
... wie lange wird es dann dauern, dass wir dann wieder auf der Strasse stehen und rufen "Wir sind das Volk" und "Wir wollen raus". Uebung haben ja einige in Deutschland darin, 20 Jahre ist es ja erst her. Aber ich habe im Moment mehr den Eindruck, dass in Deutschland lebende Menschen sehr bequem geworden sind und so ziemlich alles ueber sich ergehen lassen.

TOM_MUE
#2 shibumi schrieb am Dienstag, 21. April 2009 17:08:00:
das sehe ich auch so, das ist nur der einstieg zur zensur.
#3 gestaltungsmetzger schrieb am Donnerstag, 23. April 2009 13:47:00:
welcome to little china... und die leute, die pedos lachen sich nen ast, weil die schon lang nix mehr mit dem internet machen. da gibt es mittlerweile andere, sichere "vertriebswege", um solches zeuch unters volk zu bringen. wenn man udo vetter glauben schenken darf, sind die dateien, die im netz und in den tauschbörsen kursieren schon seit jahren quasi die selben. die leute, die sich das zeuch hierüber besorgen darf man da wohl eher als "gelegenheitskosumenten" betrachten. viel schlimmer ist aber die richtige "szene", denn da findet der missbrauch in der eigenen familie statt um tauschmaterial anbieten zu können, das niemand anders hat. und dieses material findet nicht den weg ins netz. also im grunde is der ganze kokolores ähnlich wie bei drohenringen - man kriegt n paar süchtige zu fassen, aber die leute, die das zeuch herstellen und verticken nich... für die paar kleinen fische nimmt man es aber billigend in kauf, das die grundfeste unserer demokratie erschüttert werden... du bist deutschland 2.0...

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