Vor einer Woche habe ich mich noch maßlos über mein neues Thinkpad geärgert, nun, eine Woche und eine spontane Entscheidung später, bin ich gleichermaßen zufrieden und verblüfft. Woran liegt's?

Ich habe mir letzten Sonntag ein Macbook bestellt. Ja ich weiß. Aber trotzdem. Nimmt man die reinen Leistungsdaten zum Vergleich, ist das Gerät von Apple dem von Lenovo hoffnungslos unterlegen. Bei genauerer Betrachtung gibt es aber in diesem Vergleich für mich kein einziges KO-Kriterium + die Problematik, dass das T400 einfach nur scheiße läuft. Wenn es nicht abstürzt.

Optik, Verarbeitung, Display, Tastatur, Emissionen

Der Eindruck im Laden hat sich nun noch verfestigt. Ich würde es als Liebe auf den zweiten Blick bezeichnen und sagen, dass ich noch nie ein so geiles Notebook hatte :-). Es macht einfach einen edlen Eindruck und ist ein Hingucker.

Dazu kommt die absolut tadellose Verarbeitung. Spaltmaße? Kein Thema! Wo bei anderen Geräten millimeterbreite Lücken klaffen und Teile wackeln und klappern, sitzt hier alles bombenfest. Durch das Alu ist auch alles sehr steif und robust. Ich hatte vor kurzem mal ein - optisch sehr schickes - Sony-Notebook in der Hand, bei dem man aber sofort das billige Plastik spürte, als man es in die Hand nahm. Ernsthaft, Apple setzt hier einen Meilenstein.

Das Display war vorher meine größte Sorge - ich habe es nicht so mit spiegelnden Panels. Die Sorge war unberechtigt - durch die Hintergrundbeleuchtung und sehr gute Helligkeit gibt es bisher in der Praxis überhaupt gar keine Probleme. Im Augenblick spiegelt lediglich der Rahmen unten, aber das ist nichts, woran man sich nicht gewöhnt. Besonders nett: die Helligkeit wird automatisch über die integrierte Kamera angepasst. Je dunkler das Umgebungslicht, desto gedimmter die Helligkeit des Displays.

Die Tastatur ist vom Anschlag her ebenfalls tadellos, es macht Spaß mit ihr zu tippen. Was mich ein wenig nervt: man sieht nach jedem Anschlag gleich die Fingerabdrücke darauf. Das gilt auch für die Handballen auf der Alu-Oberfläche, da muss man schon regelmäßig putzen - und wer an den Händen stark transpiriert wird damit wahrscheinlich keine Freude haben.

Sobald die Festplatte richtig zu tun hat oder lange Tasks laufen (bzw. Bootcamp-Windows in der VM ausgeführt wird, nicht so toll), wird die Oberfläche schon sehr warm. Etwas, was man von einem Thinkpad überhaupt nicht kennt. Andererseits: dachte ich, dass das T400 leise ist, wurde ich nun eines besseren belehrt. Das Macbook hört man im normalen Alltag überhaupt gar nicht, auch nicht die Festplatte. Unter längerer Volllast beginnt der Lüfter *leise* zu drehen, aber auch regelmäßig und ohne heulen. Mit etwas Umgebungsgeräuschen auch dann nicht störend wahrnehmbar.

Windows Vista

Als erstes habe ich mir Vista Ultimate via Bootcamp installiert. Der Leistungsindex geht fast durch die Decke, durchgängig an der 6.0 kratzend. Heute hat Apple noch aktualisierte Touchpad-Treiber für Windows nachgeschoben.

OS X

"Wenn es schonmal drauf ist, probiere ich es auch nochmal" habe ich mir gesagt und vorgenommen, nach meinem gescheiterten Versuch vor 2,5 Jahren, noch einmal den Alltag mit Apples Betriebssystem zu wagen. "Keep your mind open" kann ja nicht schaden, nach fast 15 Jahren mit Windows.

Ich bin wirklich total überrascht, wie leicht mir der Wechsel fällt. Nach nicht einmal 2 Tagen habe ich alle nötigen Anwendungen installiert, Die Bootcamp-Vista-Installation läuft passabel via VMware Fusion als virtuelle Maschine und ermöglicht so das Ausführen von Visual Studio, und selbst meine Daten habe ich schon drüben - bis auf ein paar Mails, die ich gerade noch von Hand via IMAP-Konto in Entourage transferieren muss.

Was für mich sehr gewöhnungsbedürftig war: man muss für jeden Scheiß, für den es unter Windows 10 konkurrierende Lösungen gibt, unter OSX Geld bezahlen. Das fängt damit an, dass es kein vernünftiges kostenloses Tool zum Entpacken von RAR-Archiven (WinRAR, 7Zip unter Windows) gibt und hört bei einem simplen Texteditor (Notepad++) und Bildbearbeitung (Paint.NET) nicht auf.

Außerdem musste ich mehr tricksen, um mit Exchange und MobileMe private und geschäftliche Kontakte und Termine mit meinem iPhone synchronisieren zu können, als unter Windows. Hier brauche ich nur Outlook 2007 + MobileMe-Dienst installieren und schon flutscht alles. Unter OSX kann ich Exchange nur mit Entourage nutzen, welches wiederum nur über den Umweg der Synchronisation mit iCal und Addressbuch an die MobileMe-Daten kommt. Aber immerhin, es läuft nun alles rund.

Apropos Entourage 2008: es ist zwar auf den ersten Blick unübersichtlicher als Outlook 2007, dafür glänzt es mit vielen kleinen Details und macht die Arbeit schnell sehr viel angenehmer, als sie mit Outlook ist. Beispiel: ich verwende verschiedene IMAP-Konten. Wenn ich in Outlook sage Neu -> E-Mail schreiben, und dann vergesse das richtige Konto zu wählen, verschicke ich mit dem Defaultkonto. Entourage wählt das Konto automatisch entsprechend der aktuellen Ansicht aus, ist man also gerade im XYZ-Posteingang wird auch von diesem Account aus die neue Mail verschickt. Oder die Auswahl der Empfänger: einfach die ersten Buchstaben eintippen und die möglichen Kontakte kommen aus dem Kalender via AutoComplete. Ein alltäglicher Vorgang, der in Outlook völlig unfertig implementiert ist.

Weiterhin positiv muss ich iTunes (was viel schneller läuft als unter Vista) und Time Machine erwähnen. Letzteres konfiguriert man einmal und genießt dann einfach nur noch den Flug durchs Backup-Universum, wunderbar.

Was mich etwas nervt ist das angewendete Anialiasing, was OSX einfach nicht richtig gut hinbekommt, vor allem bei kleinen Schriften nicht. Das führt zu komischen Schriftbildern, vor allem auch wenn man mit Windows-Software in der VM oder RemoteDesktop arbeitet.

Vorsichtiges Zwischenfazit:

Ich habe nun noch nicht ernsthaft versucht unter OSX mit VMware im Fusion-Mode zu entwickeln, es wird sich zeigen ob das klappt. Und wenn nicht, ob mir OSX so viele Mehrwerte bietet, dass ich dann jeweils neu boote und für den Rest weiter bei Apple bleibe.

Die Chancen dafür stehen aber so gut wie nie. Mir macht es Spaß mal ein neues Ufer zu betreten und meinen Horizont zu erweitern - nicht zuletzt um vielleicht mittelfristig ein Stück Unabhängigkeit von MS zu gewinnen, auch wenn es ein Schritt vom Regen in die Traufe ist.

Ich denke mein Fazit werde ich im Januar ziehen. Bis dahin: stay tuned. Wenn jemand Fragen hat ... ab in die Kommentare damit.

P.s.: Nach diesem Text muss ich jetzt erstmal wischen. Wird zeit für den externen Monitor und eine Tastatur ...

Kommentare

#1 Flo schrieb am Samstag, 20. Dezember 2008 13:24:00:
Bei mir war's zwar nicht so spontan, aber auch in etwa so. :-) Und ich bin heute sehr glücklich und fast nur noch mit OS X unterwegs. Wenn ich Windows brauche, starte ich es auch fast ausschließlich in der VM, die auch auf mein Vista im Boot Camp zugreift. Nach der Startphase, in der alles etwas zäh läuft (trotz 4GB RAM), funktioniert das VS und alles andere aber doch super.
#2 Bernd schrieb am Samstag, 20. Dezember 2008 13:41:00:
Glückwunsch Thomas! Bei welchem Modell bist Du jetzt gelandet?
Mir ist noch nicht der Zusammenhang zwischen Bootcamp und VMWare klar. Kann ich nicht einfach Vista in der VMWare installieren? Oder nutzt Du auch Dualboot mit Bootcamp um ein "reines" Vista zu haben?
#3 audiofreak schrieb am Samstag, 20. Dezember 2008 14:44:00:
auch von mir als alten apple-fanboy herzlichen glückwunsch... zum thema software sei dir noch www.versiontracker.com ans herz gelegt - die erste anlaufgstelle für freeware, shareware und tools jeglicher art. z.b. findest du dort auch gute und kostenlose rar-entpacker (ich nutze hier z.b. unrarx).
#4 Thomas schrieb am Samstag, 20. Dezember 2008 15:06:00:
@Flo: das beruhigt, denn die Startphase ist wirklich sehr zäh und langsam, aber gut dass es scheinbar üblich ist. Vista rennt dann im Anschluss wirklich flott, allerdings erst seit ich auf das klassische Theme umgestellt und Aero quasi deaktiviert habe.

@Bernd: es ist die große Version des normalen Macbooks geworden, mit 2,4 GHz, 250 GB Festplatte und nun 4GB Arbeitsspeicher. Normalerweise mag ich die 1280er Auflösung nicht, aber ich habe beim T400 festgestellt, dass man auch mit 1440x900 nicht wirklich besser arbeiten kann. Und da ich hier sowieso meistens einen externen Monitor benutze und unterwegs dann auch die 1280 ausreichen, habe ich mir den Aufpreis zum Macbook Pro gespart. Zumal das kleine 500 Gramm leichter und wesentlich kompakter ist.

Zu Bootcamp/VM: ich habe Vista mittels Bootcamp einfach parallel installiert, so dass ich es nativ starten kann. Da gibt's dann keinen Unterschied mehr zu anderen Notebooks, die Hardware ist ja die gleiche. Diese Installation kann man aber unter OSX mittels VMware Fusion oder Parallels auch virtualisieren, d.h. ich muss mir Windows dort nicht noch einmal installieren (könnte ich aber). Somit habe ich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: für Kleinigkeiten kann man auf Windows-Tools nun auch unter OSX zugreifen, wenn das aus welchen Gründen auch immer nicht ausreicht, bootet man Windows einfach direkt.

@audiofreak: Danke, sehe ich mir an!

Apropos @-Zeichen: hin und wieder passiert's mir, dass ich aus Gewohnheit cmd+Q drücke ... tja, und dann ist die Anwendung plötzlich zu :-).
#5 Erich schrieb am Montag, 29. Dezember 2008 01:31:00:
Hi Thomas,
schön, dass du das IBM Gerät zurück gegeben hast. Damit kann ich jetzt meine Bruder aufziehen, der aus Geldmangel sich ein Lenovo-Notebook geholt hat.
Ein MacBook ist eigentlich die bessere Wahl. Ich bin seit 23.12. ebenfalls glücklicher Besitzer eines Macs. http://apfelwahn.de/erich/2008/12/25/meine-erste-obstkiste/
Aber da ich mobil so gut wie gar nicht unterwegs bin, da reicht mein iPod touch aus, steht bei mir ein Mac Pro unterm Tisch. ;-)
Von Geschwindigkeitsproblemen kann ich an keiner Stelle bisher klagen. :D
Alleine mein Apple Mail ist mir zwei mal abgeschmiert, weil ich meine tausenden Emails von Thunderbird importieren u. dann verschieben wollte. lol
Jetzt bin ich vollständig bei Thunderbird geblieben, da mir Apple Mail zu unstrukturiert und irgendwie unübersichtlich ist. Bin ja erst frisch zu Mac OS gewechselt. ;-)

#6 Thomas schrieb am Montag, 5. Januar 2009 02:11:00:
Hi Erich,

nicht schlecht, aber für den Schritt zu so einer Kiste müsste ich schon noch einmal über meinen Schatten springen - denn einen vergleichbaren PC kriegst du im Eigenbau dann doch für die Hälfte ;-), natürlich ohne OSX.

In Sachen Mail setze ich - sehr zufrieden - auf Entourage 2008, was mir sogar besser gefällt als Outlook 2007. Der Transfer der Mails dauerte etwas, ging dafür aber absolut problemlos: per IMAP. Einfach unter Windows alle Mails in Outlook in ein IMAP-Postfach gezogen und dann am Mac in Entourage vom IMAP-Postfach in den lokalen Ordner. Copy & Paste inkl. Anhänge usw. - hat prima geklappt.

#7 Erich schrieb am Montag, 5. Januar 2009 21:57:00:
Hi Thomas,
du hast Recht. Ein Mac Pro ist schon eine längerfristige Investition. Ich bin es halt satt, ständig für neue Anforderungen von Betriebssystemen und Spiele soviel Geld in die Hardware-Industrie zu investieren, nur damit ich flott unterwegs bin.
Der Mac Pro hat für min. 5 Jahre genug Ressourcen um immer aktuelle Programme und Spiele ausführen zu können. Bin ich zumindest der Meinung.

Du bist also mit Entourage von Microsoft Office 2008 zufrieden? Oh ja. Gut zu wissen, da ich noch kein Office-Programm für meinen Mac Pro habe. Die letzten Rezensionsschreiber bei Amazon haben nichts gutes über Office für Mac geschrieben. Meine Mails habe ich unter Windows von Outlook 2003 nach Thunderbird portiert und nutze zurzeit Thunderbird als Maillösung für Mac OS X.
Der Tipp mit IMAP soll aber beim Übertragen relativ langsam sein, weil die Mails halt erst ins Netz müssen und dann wieder runter. Bei einer über 500 MB .PST-Datei kann das dann doch relativ lange dauern. ;)

Unter http://apfelwahn.de gibts zufriedene Mac OS User. Vielleicht kennst du die Seite ja oder du kannst ein paar Tipps und Tricks rund um Mac OS noch ergattern. ;)

#8 Thomas schrieb am Montag, 5. Januar 2009 23:37:00:
apfelwahn.de hab ich schon im Feedreader ;-)

Zur Zukunftsicherheit: das mit den 5 Jahren kannst du sicher knicken, zumindest wenn du bei der Software up to date bleiben willst. Die Argumentation mit dem Upgrade-Zwang ist sicher auch nicht ganz objektiv. Ich jedenfalls nutze im Büro einen Rechner der nun im Februar 3 Jahre alt wird und in der Zeit allein einmal ein RAM-Update erfahren hat - der lief vorher mit XP und seit anderthalb Jahren auch mit Vista - und zwar so schnell, dass er überhaupt mein schnellster Vista-Rechner ist. Kosten damals ca. 1000 EUR brutto, heute sicher nicht mehr als 600-800 EUR wenn man ihn heute zusammenstellen würde.

Aber davon unbenommen ist ein Mac Pro sicher ein netter Rechner, wenn man die Ressourcen auch wirklich ausnutzen kann/will/muss - warum nicht :-).

Zu Office: ich sehe keine Alternative zu Office 2008, OpenOffice.org ist schlecht portiert und an sich nicht up to date, die Apple-Suite nicht billiger als MS Office (ca. 100 EUR).

Zu IMAP: ging hier mit ADSL6000 relativ fix, habe 10.000+ Mails transferiert :-).
#9 Florian schrieb am Mittwoch, 7. Januar 2009 14:46:00:
Hi Thomas,

kannst du vielleicht nochmals was zu deinen Erfahrungen als .NET Entwickler mit dem Mac schreiben? Bin auch am ueberlegen mir n neuen zu holen und schwanke noch zwischen nem Dell XPS oder nem Mac.

Fuer mich besonders wichtig (neben dem ueblichen) ist die lautstaerke und die waerme entwicklung. grad zu letzterem hab ich eher negatives ueber dem Mac gelesen. Erfahrungen?


Gruesse
Florian
#10 Thomas schrieb am Mittwoch, 7. Januar 2009 14:57:00:
Lautstärke ist gar kein Thema, selbst unter Volllast dreht der Lüfter relativ leise, wenn auch hörbar, aber auch gleichmäßig. Wärme ist ein Thema beim Macbook im oberen Bereich - aber es wird dort auch nur sehr warm, vorne warm - nirgendwo heiß. Ein Thinkpad wird für gewöhnlich gar nicht warm - dafür hört man es eben. Ist eine Gewöhnungssache, und spielt für mich wg. externer Tastatur keine große Rolle.

Zur Entwicklung kann ich nur so viel sagen, dass es in den 2 Tagen, als ich es intensiv genutzt habe, super funktioniert hat. In ein paar Wochen, wenn ich dann mehrere Tage dran gesessen habe, kann ich dazu ne bessere Aussage treffen.
#11 Florian schrieb am Donnerstag, 8. Januar 2009 01:11:00:
Ok, dann bin ich schon mal auf den nächsten Erfahrungsbericht gespannt. gibt es eigentlich n besonderen Grund warum du Dell (z.B. XPS) garnicht erst berücksichtigt hast?

Der XPS 1330 und der kleine Mac habens bei mir ins Finale geschafft, wobei ich mir noch nocht sicher bin was am besten ist, parallel oder seperate installation von xp bzgl. .NET entwicklung.
#12 Thomas schrieb am Donnerstag, 8. Januar 2009 09:29:00:
"gibt es eigentlich n besonderen Grund warum du Dell (z.B. XPS) garnicht erst berücksichtigt hast? "

1. Qualität des Unibody-Gehäuses nach der Enttäuschung mit dem Thinkpad. Da sind Welten dazwischen, ach, Galaxien.
2. Design.
3. Dell muss man bestellen um zu testen.
4. Lust auf OSX.

In der Reihenfolge.

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