Wer es noch nicht mitbekommen hat: am Wochenende wurde in Passau ein ranghoher Polizist vor seiner Haustür niedergestochen - seitdem ist die Aufregung in Bayern und wohl ganz Deutschland groß. Es ist die Rede von einer "neuen Qualität der Gewalt". Schwachsinn!
Diese Gewalt gibt es seit Jahren, nur bekommt es niemand mit - oder besser gesagt, es will auch niemand mitbekommen. In Sachsen-Anhalt gab es sogar den Fall einer Sonder-Komission gegen Rechts, die ihren Chefs zu erfolgreich wurde. Die perfide Logik: zu viele aufgeklärte Straftaten im Licht des Rechtsextremismus bedeuten, dass es diesen gibt und rücken ihn in die Öffentlichkeit. Je weniger in diesem Kontext aufgeklärt wird, desto geringer ist das Problem. Bumm.
Umso hilfreicher - wenn gleich bedauerlich - ist nun dieser Mordversuch, denn er erzeugt vor allem Öffentlichkeit.
Natürlich kommen nun auch wieder unglaublich dumme Menschen aus ihren Löchern gekrochen, solche zum Beispiel, die fordern, Neonazis besonders hart zu bestrafen. Gleich nach islamischen Terroisten, und überhaupt.
Aber eines könnte man tun, etwas was längst überfällig wäre: Neonazis und vor allem neonazistische Gruppierungen als Terrororganisationen zu betrachten. Denn was sie wollen hat mit unserer Verfassung nichts zu tun. Was sie verüben, sind terroristische Handlungen. Und zwar nicht nur, wenn Polizisten niedergestochen werden, sondern auch wenn mal wieder Jugendclubs oder Konzerte überfallen und Menschen derart misshandelt werden, dass sie erst Wochen später in einer Uniklinik wieder aus dem Koma erwachen.
Wer mehr über das Thema lesen will, dem sei übrigens das Zeit-Blog Störungsmelder ans Herz gelegt.