Als ich gestern Nacht Googles erste Version des neuen Browsers ausprobierte, war die Begeisterung erstmal groß - Datenschutz kam mir nach einem 14-Stunden-Tag mitten in der Nacht nicht in den Sinn. Ich bin von der Schlichtheit und Optik des Browsers immer noch sehr angetan, gleichwohl inzwischen Ernüchterung eingekehrt ist.
Der erste Punkt: ich lese beim Herunterladen keine Lizenzbestimmungen. Nie. Aber ich bin es gewohnt sie abzunicken, wie etwa 5 Milliarden andere Menschen auf diesem Planeten auch. Also setzte ich letzte Nacht, ich konnte es gar nicht erwarten, auf der Downloadseite mein Häkchen, in der Annahme damit die AGB zu bestätigen. Als ich heute morgen im Büro dann nochmals zum Download griff, sah ich etwas genauer hin:
"Optional: Unterstützen Sie uns bei der Verbesserung von Google Chrome durch das automatische Senden von Nutzungsstatistiken und Ausfallberichten an Google."
Da habe ich mich wohl hinters Licht führen lassen.
Der zweite Punkt: die ständige Kommunikation mit dem Mutterschiff, und die Generierung einer eindeutigen ID. In der DDR hatte ich meine Personenkennzahl, Peer Steinbrück beglückt mich demnächst mit meiner neuen, lebenslangen Steueridentifikationsnummer, und nun kommt Google mit einer neuen, eindeutigen ID für "meinen Browser" um die Ecke. Die Anmerkung vom Datenschutz-Blog passt hier ganz gut:
"Beispiel: Sobald ich mich einmal mit einem Google-Account einlogge, wird dann meine Chrome-ID zugeordnet, so dass später jeder Zugriff mit Chrome mir als Nutzer zugeordnet werden kann - auch wenn ich nicht eingeloggt bin und keine Cookies habe? Technisch möglich ist es jedenfalls."
Mir wird, wie so vielen anderen, dabei wirklich flau im Magen. Aber ich bin etwas hin und her gerissen, denn eigentlich habe ich innerlich längst resigniert und glaube ehrlich gesagt nicht mehr an eine Verbesserung der Datenschutzlage. Der Staat wird immer gieriger, Unternehmen und insbesondere TK-Unternehmen sind es schon immer gewesen. Österreichische Beamte prahlen mit dem leichten Zugriff auf Skype-Gespräche, in China werden Dissidenten mithilfe von Yahoo & Co. verknackt, und in den Staaten gab es bereits Versuche von staatlichen Diensten die Logfiles der Suchmaschinen zur Auswertung in die Finger zu bekommen, wohl mit Erfolg. Kurzum: es ist heute eigentlich unmöglich, sich vor Missbrauch in diesem Bereich wirkungsvoll zu schützen.
Gleichwohl muss man natürlich diesem Missbrauch nicht Tür und Tor öffnen, und sich in die Opferrolle ergeben. Was helfen könnte wäre der Verzicht auf sämtliche Google-Dienste. Aber mal ehrlich, mit welchem Effekt? Ich glaube jedenfalls nicht ernsthaft, dass meine Daten bei Yahoo, Microsoft und Konsorten besser aufgehoben sind.
Es bleibt erstmal der Vorsatz, Chrome bis auf Weiteres nur zum Testen von Websites zu benutzen, sobald der Browser entsprechende Relevanz erreicht. Und ihn nicht zum täglichen Surfen zu nutzen, obwohl er aus reiner - den Datenschutz ausgeblendet - Anwendersicht fast wie der bessere Firefox wirkt.
P.s.: Dass die Lage nicht besser wird, sieht man daran, dass ich schon vor drei Jahren darüber nachgedacht und geschrieben habe. In der Zwischenzeit ist Google aber immer wichtiger geworden.