Nachdem ich schon 2 Reservierungen habe platzen lassen, bin ich nun 2,5 Wochen nach Kinostart endlich mal dazu gekommen, mir den Film anzusehen.
Das Fazit fällt gemischt aus. Klar ist, dass kein Fußballfan um ihn herumkommt, den muss man gesehen haben. Allerdings darf auch nicht unerwähnt bleiben, dass er es nicht geschafft hat, mich zu erreichen. Möglich, dass die Erinnerungen inzwischen arg verblasst sind, aber diese hoch emotionale Stimmung der 4 Wochen von Juni bis Juli wollte bei mir einfach nicht aufkommen.
Zudem hat Wortmann in den gewählten Ausschnitten etwas zu sehr die reine Spielerperspektive hergenommen, von der unglaublichen Stimmung drumherum ist selten etwas zu spüren. Hier und da mal ein paar Menschen an der Straße, aber sonst vermisst man die Eindrücke, die man selbst von außen gesammelt hat.
Einige handwerkliche Fehler haben hier sicher auch dazu beigetragen. Zwar gab es nicht, wie vorab gelesen, "Xavier Naidoo bis zum Erbrechen", und auch von verwackelten Kamerabildern habe ich mich nicht gestört gefühlt, aber hätte Wortmann z.B. beim 1:0 gegen Polen den Original-Sound genommen, hätte man diesen Schrei, der wie der Urknall durch das Stadion und das halbe Land ging, sicher bis unter die Haut gespürt. So war das eine Szene von vielen, die an mir vorbei rauschte.
Trotz allem ist der Film für alle Fußballfans absolute Pflicht, denn man erhält Einblicke, die einem so fehlen. So wurde mir auch einiges klar: dass Klinsmann unmöglich weitermachen konnte, für ihn war das nichts als ein Projekt, eine Station in seinem Leben, und mit dieser Rhetorik wäre er bei Ballack & Co im harten Qualifikations-Alltag gegen eine Wand gelaufen.
Zum anderen weiß ich jetzt, warum die Verabschiedung am Brandenburger Tor am 9. Juli so eine lasche Performance war, die irgendwie langweilig und durchchoreographiert war. Nämlich weil die Spieler selbst gar keinen Bock mehr drauf hatten ... O-Ton Ballack: "Ob Römer oder Brandenburger Tor, alles das gleiche. Du fährst nach dem Turnier so runter, dass das alles nur noch nervt.".
Umso besser, dass sich Bierhoff als Initiator und Frings auf Seiten der Spieler am Ende doch durchgesetzt haben ...
Fazit: Wer ihn noch nicht gesehen hat, sollte auf die DVD warten, auf der Wortmann hoffentlich noch mehr aus seinen 100 gedrehten Stunden machen wird. Oder sich den Film in ein paar Wochen in der ARD ansehen.