Nachdem mich die Verwirrung in den letzten Tagen ziemlich umgetrieben hat, hier mal das Ergebnis all der Aufregung, bzw. mein persönliches Fazit dazu. Ich habe mich zum Thema Lizenzrecht und Microsofts Sichtweise auch intensiv mit Microsoft-Mitarbeitern ausgetauscht, und in der Diskussion wurde alles doppelt und dreifach durchgekaut, d.h. ich ziehe hier nichts an den Haaren herbei (wenn doch, nobody is perfect, bitte melden).
Früher war alles besser
Bis jetzt war ich immer der Meinung, man kauft sich Windows in der Box (also die Retail-Lizenz), und besitzt damit eine persönliche Lizenz. Diese darf man selbstverständlich nur auf einem Rechner installieren, tauscht man den Rechner aber aus, kann man die Lizenz beim alten de- und beim neu gekauften wieder neu installieren.
Diese Praxis wurde von Microsoft in Deutschland bei Windows XP bisher auch so geduldet - letztendlich auch, weil die Lizenzbedingungen hier auch keine klare Einschränkung vorsehen.
Die neue Realität
Mit der nun in den Startlöchern stehenden und sehnlichst erwarteten neuen Version, Windows Vista, scheint nun alles grundlegend anders zu werden. Doch der Eindruck trügt: es bleibt alles wie es war, nur wird es nun deutlicher ausgedrückt, Auszug aus den veröffentlichten amerikanischen Lizenzbedinungen:
"The first user of the software may reassign the license to another device one time. If you reassign the license, that other device becomes the “licensed device.”"
Auf Deutsch: auch wer Windows in einer Box im Handel erwirbt, muss seine Lizenz, die nicht seine ist, an ein Gerät binden. Ändert er dann z.B. Motherboard und tauscht die Festplatte aus, darf er sein Windows noch einmal aktivieren. Wiederholt er das, weil sich das Board und die Platte als fehlerhaft herausgestellt haben, ist der Ofen aus.
Oder ein anderes Beispiel: ich habe mir in den letzten 4,5 Jahren genau 5 Notebooks gekauft. Da die Vista-Lizenz an ein Gerät gebunden wird, und nur einmal migriert werden darf, hätte ich also genau 3 Lizenzen benötigt. Ich hätte nicht, wie mit meinem XP gehandhabt, einfach jedes Mal die Packung aus dem Regal holen und Windows neu installieren können.
Wirklich alles neu?
Tatsächlich habe ich dieses Privileg nur genießen dürfen, weil ich in Deutschland lebe und arbeite. Hier hat die hiesige Rechtssprechung den Konzern aus Redmond in die Schranken gewiesen. Laut Aussage von Microsoft-Mitarbeitern war dieses Verhalten in anderen Ländern bereits mit XP nicht üblich. D.h. auch heute darf sich jeder Kanadier oder Brasilianer zu quasi jedem neuen Rechner ein neues Windows kaufen.
Was soll das?
Was wohl, Geld in die Kassen spülen. Auch fördert man so die Verbreitung von legitim an Rechner gebundene OEM-Lizenzen und damit den Kauf von Fertig-Hardware. Denn wer sowieso noch einmal Geld für ein Betriebssystem auf den Tisch legen muss, was er sowieso schon hat, der kann den Preisvorteil von ggf. bis zu 200 EUR auch in einen Fertig-Rechner stecken. Ein Schelm wer böses dabei denkt ...
Völlig durch das Rost fallen letztendlich alle die, die sich selbst einen Rechner zusammenstellen können und darüber bestimmen wollen, was auf ihrem Rechner passiert. Also vor allem die Multiplikatoren, auf die Microsoft eigentlich angewiesen ist. Sollte man meinen.
Wird mich das nun auch treffen?
Für die USA kann man hier sicherlich mit annähernd 100%iger Wahrscheinlichkeit mit ja antworten, für Deutschland sollte man unbedingt abwarten, bis die deutsche Lizenz veröffentlicht wird. Leider sieht es so aus, als wird das erst in dem Moment passieren, wo die Boxen in den Läden stehen.
Fazit
Ich persönlich bin an diesem Punkt hellhörig geworden - und werde meine Konsequenzen aus diesem kundenfeindlichen Verhalten, und dieser meiner Meinung nach eindeutigen Ausnutzen einer Monopolstellung, ziehen. Wie die genau aussehen werden, wird die Zeit zeigen - in jedem Fall werde ich zukünftig verstärkt mehrgleisig fahren, nicht nur im privaten Consumer-Bereich, auch und vor allem in der Entwicklung meiner Software.
Update
Um ein paar Fragen aus den Kommentaren zu beantworten, mal ein Nachtrag.
Ich frage mich dann nur, wie das ganze bei VMware/VirtualPC ausschaut?
Das ist relativ klar, und zumindest noch halbwegs nachvollziehbar geregelt. Zitat:
"So will Microsoft wie schon bei Windows XP und seinen Vorgängern nun auch Nutzern von Vista Home Basic und Home Premium untersagen, Windows mit einer Lizenz gleichzeitig auf einem physischen PC und darauf dann in einer virtuellen Maschine (VM) zu installieren. [...] Nutzer von Vista Business, Enterprise und Ultimate hingegen dürfen eine Lizenz gleichzeitig auf dem physischen Rechner und in einer VM einsetzen."
Sind damit OEM-Lizenzen gemeint, die zusammen mit der Hardware erworben werden?
Nein, bei OEM-Lizenzen, die vergünstigt verkauft werden, ist das durchaus nachvollziehbar. Es dreht sich bei dem ganzen Thema um Retail-Lizenzen, die regulär und ohne zugehörigen Hardware erworben werden.
Wenn ich mir Vista "standalone" kaufe dann kann ich aber damit machen was ich will, oder?
Nein. Du kaufst, auch wenn dir das keiner sagt, eine in der natürlichen Lebenszeit beschränkte, nennen wir es mal "Miet-Lizenz". Diese gehört nicht dir, sondern sie ist an den ersten, und anschließend bestenfalls noch an den zweiten Rechner gebunden, auf dem sie installiert wird. Anschließend darfst du dir eine neue kaufen.
Update: Microsoft hat die Lizenz geändert.